
KI, Fachkräfte, gute Arbeit: it’s OWL sichert Ergebnisse von Arbeitswelt.Plus langfristig im Cluster
„Mit Arbeitswelt.Plus haben wir gezeigt, wie Unternehmen KI Schritt für Schritt in ihre Arbeitssysteme integrieren können, ohne die Menschen aus dem Blick zu verlieren“, sagt Prof. Dr. Roman Dumitrescu, Geschäftsführer von it’s OWL und Projektleiter von Arbeitswelt.Plus. „Diese Kompetenz ist für die Wettbewerbsfähigkeit des Mittelstands in OstWestfalenLippe zentral. Darum verankern wir das Thema Zukunft der Arbeit dauerhaft im Spitzencluster.“
Arbeitswelt.Plus lief vom 1. September 2020 bis 31. Dezember 2025. Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) förderte das Projekt im Programm „Zukunft der Wertschöpfung – Forschung zu Produktion, Dienstleistung und Arbeit“.
Mit Arbeitswelt.Plus haben wir gezeigt, wie Unternehmen KI Schritt für Schritt in ihre Arbeitssysteme integrieren können, ohne die Menschen aus dem Blick zu verlieren.
Prof. Dr. Roman Dumitrescu, it’s OWL
Bette: KI entlastet Beschäftigte in der variantenreichen Produktion
Die Bette GmbH & Co. KG produziert Badewannen, Duschflächen und Waschtische in einer hoch automatisierten, aber stark variantenreichen Fertigung. Mehr als die Hälfte der Produkte entsteht auf Kundenwunsch, theoretisch sind über 35 Millionen Varianten möglich. Das erschwert die Arbeitsvorbereitung und führt zu ungleichmäßiger Auslastung von Maschinen und Arbeitsplätzen.
Gemeinsam mit der Hochschule Bielefeld, der Fachhochschule der Wirtschaft und der IG Metall hat Bette ein KI-Assistenzsystem entwickelt. Es wertet historische Produktionsdaten und Echtzeitinformationen aus und schätzt Auslastungen sowie Belastungen bis zu fünf Stunden im Voraus. Verantwortliche wie Marvin Mönikes können Staus früh erkennen und gezielt Aufträge einplanen, die Arbeitsplätze entlasten. In Tests sagte das System die Anlagenauslastung mit einer Genauigkeit von rund 95 Prozent für die nächsten Stunden voraus. So treten Belastungsspitzen und Materialstaus deutlich seltener auf.
Das System bereitet Informationen auf, Entscheidungen treffen weiterhin Menschen. Das Konzept wurde in Transferprojekten des Kompetenzzentrums bereits erfolgreich auf weitere Produktionssysteme übertragen, sodass auch anderen Unternehmen von dem Know-how profitieren können.

WAGO: Raubkopien bekämpfen und KI-Kompetenz im Unternehmen stärken
Auch bei WAGO zeigt sich die Bandbreite der Themen von Arbeitswelt.Plus. Das Unternehmen sieht sich seit Jahren mit Produktpiraterie konfrontiert, insbesondere bei der Verbindungsklemmen Serie 221. Fälschungen tauchen auf Online-Plattformen zu Dumpingpreisen auf und erfüllen oft nicht die Qualitätsstandards von WAGO.
Gemeinsam mit der Universität Paderborn hat WAGO eine KI-basierte Lösung aufgebaut. Ein Algorithmus analysiert Preise, Produktbeschreibungen, Bilder und weitere Merkmale und unterstützt dabei, verdächtige Angebote schneller zu identifizieren. „Wir wissen, dass das Problem deutlich größer ist als nur eine Produktserie“, sagt Stephan Großarth, Data Scientist bei WAGO. „Eine leistungsfähige KI ist derzeit unsere einzige Chance, diese Mengen an Angeboten überhaupt zu überblicken.“
Parallel stellte WAGO die Frage, wie die Belegschaft die neuen Technologien einordnen kann. Gemeinsam mit der Universität Paderborn und der IG Metall entwickelte das Unternehmen eine KI Lernreise für alle Beschäftigtengruppen. In sechs Formaten lernten über 700 Mitarbeitende, was KI kann, wo ihre Grenzen liegen und wie sie den eigenen Arbeitsalltag verändern kann.
„Mit der KI Lernreise wollten wir einen offenen Raum schaffen, in dem Menschen mit ganz unterschiedlichen Vorkenntnissen über KI sprechen können“, sagt Marcel Ellermann, Leiter Organisationsentwicklung bei WAGO. „Entscheidend war für uns nicht das reine Technikwissen, sondern die Fähigkeit, Chancen und Risiken gemeinsam abzuwägen.“
Aus der Lernreise ist eine dauerhafte Organisationseinheit entstanden: Im AI Centre of Excellence tauschen sich Interessierte aus verschiedenen Bereichen über neue Anwendungsfälle aus.
Neue Strukturen im Cluster: Fokusgruppe und Fachgremium
Damit diese Erfahrungen auch weiteren Unternehmen dauerhaft zur Verfügung stehen, verankert it’s OWL das Thema Zukunft der Arbeit dauerhaft im Cluster. Zwei Gremien bilden dafür den Rahmen. Die Abschlussveranstaltung von Arbeitswelt.Plus und der Kick-off der Fokusgruppe haben bereits stattgefunden.
Die Fokusgruppe Zukunft der Arbeit ist als Arbeitskreis organisiert, sie trifft sich viermal pro Jahr. Unternehmensvertreterinnen und -vertreter, Personalverantwortliche, Betriebsräte und Forschende bringen dort ihre Fragen ein. Die Gruppe bereitet Workshops, Leitfäden und praxisnahe Formate vor und bündelt Erfahrungen aus KI-Projekten zur Arbeitsgestaltung.
Das Fachgremium ergänzt die Fokusgruppe um eine strategische Perspektive. Es setzt sich aus Vertreter:innen aus Industrie und Forschung im Spitzencluster it’s OWL zusammen und trifft sich zweimal pro Jahr.
„Im Fachgremium bündeln wir die strategischen Fragen der Unternehmen zur Zukunft der Arbeit“, sagt Dr. Frank Bormann, Head of International Training Center bei Weidmüller und Mitglied des Gremiums. „Diese Fragen entscheiden mit darüber, ob KI-Projekte nachhaltig Erfolg haben.“
Unternehmen in OWL brauchen bei der Einführung von KI vor allem Orientierung, Erfahrungswissen und einen offenen Austausch über Stolperstein. Genau das sichern wir durch die neuen Strukturen im Cluster. Arbeitswelt.Plus endet als Förderprojekt, die Zukunft der Arbeit bleibt ein zentrales Thema von it’s OWL.
Kerstin Eller, Leitung Kompetenzzentrum Arbeitswelt.Plus
Unterstützungsangebote bleiben erhalten
Mit dem offiziellen Projektende gehen die Unterstützungsangebote für Unternehmen nicht verloren. Der Angebotskatalog der Partner mit über 20 kostenfreien Formaten bleibt erhalten. Dazu gehören Einführungsworkshops zu KI im Unternehmen, Potenzialanalysen für konkrete Arbeitsbereiche und Fachvorträge zu Auswirkungen von KI auf Arbeit und Organisation.
„Unternehmen in OWL brauchen bei der Einführung von KI vor allem Orientierung, Erfahrungswissen und einen offenen Austausch über Stolpersteine“, betont Kerstin Eller, Projektleiterin bei it’s OWL. „Genau das sichern wir durch die neuen Strukturen im Cluster. Arbeitswelt.Plus endet als Förderprojekt, die Zukunft der Arbeit bleibt ein zentrales Thema von it’s OWL.“
Zukunft der Arbeit als Baustein von Industrie.Zero
Mit der Strategie Industrie.Zero bündelt it’s OWL seine Aktivitäten für die digitale und nachhaltige Transformation des Mittelstands. Im Mittelpunkt stehen intelligente technische Systeme, mit denen Unternehmen ihre ökologische, ökonomische und soziale Nachhaltigkeit stärken, etwa bei Energieeffizienz, zirkulärer Wertschöpfung und der Sicherung von Fachkräften. Die Frage, wie KI Arbeit verändert und wie sich Kompetenzen in den Betrieben weiterentwickeln, bildet dabei die soziale Dimension von Industrie.Zero. Die neuen Strukturen zur Zukunft der Arbeit sorgen dafür, dass dieser Aspekt gleichberechtigt neben Technologie- und Klimathemen im Spitzencluster weiter vorangetrieben wird.