
Auffangwannen im Kreislauf: Denios testet neue Wege für nachhaltige Gefahrstofflagerung
Was passiert mit Auffangwannen, wenn sie nach jahrelangem Einsatz ausgedient haben? Bisher landen viele Modelle im Schrott. Damit gehen wertvolle Materialien verloren und Unternehmen stehen vor der Frage, wie sie künftig mit steigenden Anforderungen an Nachhaltigkeit und Ressourceneffizienz umgehen. Denios, Hersteller solcher Auffangwannen, will das ändern und erprobt im it’s OWL Projekt GoProZero ein zirkuläres Geschäftsmodell für seine Produkte.
Auffangwannen gehören zum Alltag in Industrie und Handwerk. Sie fangen auslaufende Flüssigkeiten auf und sind damit unverzichtbar für die sichere Lagerung von Gefahrstoffen. Doch wenn sie unbrauchbar geworden sind, bleibt oft nur die Entsorgung.
„Wir wollen im it’s OWL Projekt GoProZero etwas erforschen, das unser Produktportfolio konkret weiterbringt. Am Beispiel der Auffangwannen lernen wir, Produkte und Geschäftsmodelle nachhaltiger zu gestalten“, sagt Udo Roth, Projektmanager bei Denios.
Mehr als Recycling: Redesign als nächste Stufe
Im Fokus steht nicht allein das Recycling gebrauchter Kunststoffwannen. „Wir prüfen auch ein Redesign. So können wir Material einsparen und gleichzeitig gebrauchte Produkte aufbereiten, damit sie wieder in unseren Produktionsprozess zurückfließen“, so Roth. Ziel ist es, die Wiederverwendung von Materialien technisch und organisatorisch machbar zu machen. Ein Schritt, der über klassisches Recycling hinausgeht.
Unterstützt wird Denios von dem Heinz Nixdorf Institut der Universität Paderborn, der Hochschule Bielefeld sowie Technischen Hochschule OWL. Gemeinsam wird untersucht, wie nachhaltiges Produktdesign funktioniert, welche Rolle Rücknahmelogistik spielt und wie sich der gesamte Lebensweg eines Produkts bewerten lässt. „Dieses Wissen können wir später auch auf andere Produkte übertragen“, betont Roth.
Mehr über das Projekt ‚GoProZero‘
Das Projekt ‚GoProZero‘ vereint Partnern aus Wissenschaft und Industrie, die ihre Expertise in die Entwicklung zirkulärer Produktentstehungssysteme einbringen.
Unter der Konsortialführung der Universität Paderborn sind Forschungseinrichtungen wie die Universität Bielefeld, die Hochschule Bielefeld, die Technische Hochschule OWL und das Fraunhofer IEM und das Fraunhofer IOSB-INA beteiligt. Zusätzlich bringen führende Unternehmen wie CLAAS, DENIOS, GEA, HARTING, WAGO und Weidmüller ihre praktischen Erfahrungen und spezifischen Herausforderungen in die Leuchtturmprojekte ein.
Harte Praxisfragen statt theoretischer Modelle
Die Transformation in Richtung Kreislaufwirtschaft bringt konkrete Herausforderungen mit sich:
- Kontamination: Sind die Wannen so stark verschmutzt, dass Recycling unmöglich wird?
- Rücknahmelogistik: Wie lässt sich ein System bundesweit oder europaweit organisieren?
- Nachweis: Wie kann belegt werden, dass das zirkuläre Modell wirklich nachhaltiger ist als das lineare?
„Besonders gespannt sind wir auf die Ergebnisse zu den Nachhaltigkeitskennzahlen und den neuen IT-Werkzeugen. Denn nur damit können wir künftig digitale Produktpässe sowie Environmental Product Declarations erstellen“, erklärt Roth.
Digitale Produktpässe sind standardisierte Datensätze über Zusammensetzung und Umweltauswirkungen eines Produkts. Environmental Product Declarations (EPD) sind international anerkannte Umweltdeklarationen, die Unternehmen in Lieferketten und bei Audits als Nachweis einsetzen können.
Nutzen für Unternehmen: Daten schaffen Klarheit
Gerade die Nachweisfrage ist entscheidend für die Industrie. Digitale Werkzeuge, die belastbare Kennzahlen liefern, erleichtern künftig nicht nur Audits und Zertifizierungen, sondern auch die Erfüllung regulatorischer Pflichten wie den digitalen Produktpass. Für Denios ist klar: Nur mit solchen Tools lässt sich zeigen, dass Kreislaufwirtschaft tatsächlich einen Vorteil bringt – ökologisch wie ökonomisch.
Lernen im Netzwerk
Neben den technologischen Erkenntnissen profitiert Denios auch vom Austausch mit anderen Unternehmen im Projektumfeld. „Im Spitzencluster it’s OWL profitieren wir doppelt: Von der Forschung, die neueste Methoden direkt auf Industriefragen überträgt, und vom Austausch mit anderen Unternehmen. Hier lernen wir voneinander, ohne in Konkurrenz zu stehen“, so Roth.
Sein Tipp an andere Unternehmen: „Starten Sie mit einer Fragestellung, die ohnehin im Unternehmen existiert. So entsteht echte Motivation. Formate wie Innovationsprojekte ermöglichen einen unkomplizierten Einstieg, in kurzer Zeit und mit klaren Ergebnissen.“