
Kreislaufwirtschaft ist eine Managementaufgabe: Wie Unternehmen Einzelmaßnahmen zu einer Strategie verbinden
Reparieren, zurücknehmen, recyceln: Industrieunternehmen starten Kreislaufwirtschaft häufig mit einzelnen Maßnahmen. Doch zirkuläre Wertschöpfung entsteht erst, wenn Führung, Geschäftsmodell, Produktgestaltung und Partner im Wertschöpfungsnetzwerk zusammenspielen. Das it’s OWL Projekt GoProZero macht dieses Zusammenspiel greifbar: Eine praxisnahe Übersicht verbindet neun Erfolgsfaktoren aus vier Handlungsfeldern mit den Bedingungen, die ihre Umsetzung fördern oder erschweren. Unternehmen können damit bestehende Aktivitäten einordnen, mögliche blinde Flecken erkennen und ihre nächsten Schritte gezielter vorbereiten.
Ein reparierbares Produkt allein macht noch kein zirkuläres Geschäftsmodell. Unternehmen benötigen auch Ersatzteile, geeignete Serviceprozesse und verlässliche Produktinformationen. Wer gebrauchte Produkte zurücknehmen will, muss zugleich klären, wie sie zurück in den Betrieb gelangen, welche Partner beteiligt sind und ob Kund:innen zur Rückgabe bereit sind.
Solche Zusammenhänge geraten leicht aus dem Blick, wenn Kreislaufwirtschaft auf einzelne Projekte oder Abteilungen begrenzt bleibt. Dabei kann eine ganzheitliche Betrachtung nicht nur ökologische Ziele unterstützen. Zirkuläre Ansätze können auch Materialabhängigkeiten verringern, Kundenbeziehungen verlängern und neue Dienstleistungen oder Wertschöpfungsmöglichkeiten eröffnen.

Neun Erfolgsfaktoren verbinden das ganze Unternehmen
Die auf der it’s OWL Innovationsplattform veröffentlichte GoProZero-Übersicht ordnet neun Erfolgsfaktoren vier Handlungsfeldern zu: Unternehmensführung, Geschäftsstrategie, Produkt- und Produktionssystemdesign sowie Wertschöpfungsnetzwerk.
Dazu gehören eine Organisationskultur und Strategie, die Kreislaufwirtschaft unterstützen, sowie entsprechende Kenntnisse und Fähigkeiten im Unternehmen. Auch zirkuläre Geschäftsmodelle, die Einbindung von Kund:innen und eine passende Geschäftsplanung spielen eine Rolle. Hinzu kommen kreislauffähiges Produktdesign, eine darauf ausgerichtete Fertigung, die Rückführung gebrauchter Produkte und die Zusammenarbeit mit Partnern.
Die Übersicht zeigt damit: Kreislaufwirtschaft ist nicht allein eine technische Aufgabe. Wer Produkte länger nutzt, zurücknimmt oder erneut anbietet, verändert häufig auch Services, Planungsprozesse, Kundenbeziehungen und die Zusammenarbeit entlang der Wertschöpfungskette.
„Zirkuläre Transformation ist keine Aufgabe einer einzelnen Abteilung. Führung, Geschäftsmodell, Produktgestaltung und Wertschöpfungsnetzwerk müssen zusammenspielen“, sagt Lisa Petzke, Projektkoordinatorin von GoProZero und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Heinz Nixdorf Institut. „Unsere Übersicht hilft Unternehmen, bestehende Aktivitäten einzuordnen und mögliche blinde Flecken zu erkennen. Sie zeigt, welche Hebel sie selbst gestalten können und welche Bedingungen aus Markt, Regulierung und Wertschöpfungsnetzwerk sie bei ihren nächsten Schritten berücksichtigen sollten.“
Vom Einzelprojekt zum Gesamtbild
Die GoProZero-Übersicht richtet sich sowohl an Unternehmen, die erste zirkuläre Ansätze entwickeln, als auch an Betriebe mit bestehenden Reparatur-, Rücknahme- oder Recyclingaktivitäten. Die vier Handlungsfelder und neun Erfolgsfaktoren helfen dabei, solche Maßnahmen in einen größeren Zusammenhang einzuordnen.
Unternehmen können prüfen, welche Bereiche bereits beteiligt sind, wo Verbindungen zwischen Produkt, Geschäftsmodell und Organisation fehlen und welche Partner oder Rahmenbedingungen berücksichtigt werden müssen. Damit eignet sich die Übersicht beispielsweise als Grundlage für Strategiegespräche und bereichsübergreifende Workshops.
Neben Führung, Kompetenzen und internen Strukturen können auch Regulierung, Nachfrage, technologische Entwicklungen oder die Bereitschaft zur Rückgabe gebrauchter Produkte die Umsetzung beeinflussen. Die Lösung hilft Unternehmen, diese Zusammenhänge frühzeitig in den Blick zu nehmen, statt allein von der technischen Machbarkeit einer einzelnen Maßnahme auszugehen.
Die neun Erfolgsfaktoren basieren auf einer systematischen Literaturanalyse, Workshops mit den Leuchtturmprojekten aus GoProZero und der Auswertung von Nachhaltigkeitsberichten. So verbindet die Übersicht wissenschaftliche Erkenntnisse mit Erfahrungen aus der Industrie.
Im it’s OWL Projekt GoProZero entwickeln Forschungseinrichtungen und Industriepartner praxistaugliche Methoden und digitale Werkzeuge für ressourceneffiziente und kreislauffähige Produkte. In sechs Leuchtturmprojekten werden die Ansätze gemeinsam mit CLAAS, DENIOS, GEA, HARTING, WAGO und Weidmüller erprobt.