Mehr als 300 KI-Ideen: Wie Diebold Nixdorf die richtigen auswählt und in die Anwendung bringt

Eine gute KI-Idee ist schnell gefunden. Bei Diebold Nixdorf waren es am Anfang mehr als 300 mögliche Use Cases, inspiriert durch externe Best Practices und eigene Ideen aus den Teams. Die schwierigere Frage kam danach: Welche davon löst ein echtes Problem, welche braucht Daten, die es gar nicht gibt, und welche würde im Arbeitsalltag mehr Aufwand erzeugen als Nutzen? Bei „it’s OWL trifft Diebold Nixdorf“ ging es deshalb nicht um die nächste KI-Vision, sondern um Auswahl. Am Standort Paderborn zeigte das Unternehmen, wie aus einer langen Liste wenige belastbare Anwendungen werden sollen: durch Priorisierung, Praxistests und die Bereitschaft, Ansätze früh wieder zu stoppen.

„Viele Unternehmen stellen sich dieselben Fragen: Wo macht KI für mich Sinn? Welche KI brauche ich überhaupt? Und was ist mit den Daten? Genau deshalb ist der Blick in reale Produktionsumgebungen so wertvoll: Hier entstehen Antworten, über die Unternehmen direkt miteinander ins Gespräch kommen können“, sagt Stefan Hartmann, Senior Experte KI in der Produktion am Fraunhofer IEM und Leiter des it’s OWL Projekts Datenfabrik.NRW.

Was von einer Idee übrig bleibt

Bei Diebold Nixdorf wurden aus den mehr als 300 möglichen Use Cases zunächst rund 50 Ansätze. Daraus entstanden 16 priorisierte Themen. Weitergearbeitet wird mit fünf. Auf dem Weg dorthin wurden Duplikate gestrichen, Themen gebündelt, Business-Relevanz geprüft und Prioritäten gesetzt.

Denn ein Use Case kann auf einer Folie gut aussehen und trotzdem im Betrieb scheitern. Vielleicht fehlen die Daten. Vielleicht ist der Prozess nicht stabil genug. Vielleicht spart die Lösung an einer Stelle Zeit und erzeugt an anderer Stelle neue Arbeit.

„Wir wollen KI nicht einsetzen, nur um KI einzusetzen. Wir müssen ein konkretes Problem lösen“, sagt Timo Vondereck, Director Digital Supply Chain & AI bei Diebold Nixdorf. Die Anwendungen entstehen deshalb mit den Fachbereichen, nicht losgelöst in der IT. Immer wieder wird geprüft, ob der Ansatz noch zu dem passt, was ursprünglich erreicht werden sollte.

Mehr als 70 Teilnehmende blickten bei ‚it’s OWL trifft Diebold Nixdorf‘ hinter die Kulissen des Paderborner Geldautomaten-Herstellers.

Wenn SAP, Excel und KI zusammenkommen müssen

In der Produktion beginnt der Praxistest oft nicht mit dem Algorithmus, sondern mit dem Arbeitsplatz. Viele Beschäftigte arbeiten mit SAP, Excel, Routinen und Erfahrungswissen, das über Jahre gewachsen ist. Eine neue Anwendung muss dort hineinfinden. Sie soll nicht nur Daten auswerten, sondern den nächsten Schritt einfacher machen.

Bei Diebold Nixdorf werden die KI-Use-Cases deshalb alle vier Wochen geprüft. Passt der Ansatz zu den Kennzahlen, die das Unternehmen verbessern will, wie etwa Sicherheit, Qualität, Lieferfähigkeit oder Kosten? Können Mitarbeitende damit arbeiten? Reicht die technische Basis? Wo hängt der Use Case an anderen Daten oder Prozessen?

„’Fail fast‘ heißt für uns: ausprobieren, lernen und auch akzeptieren, wenn eine Idee nicht funktioniert. Vielleicht ist die Technik noch nicht so weit, vielleicht löst sie nicht das richtige Problem. Dann muss man das erkennen und den nächsten Schritt ableiten“, sagt Vondereck.

Bei der Veranstaltung wurde diese Logik an mehreren Demonstratoren greifbar. Sie zeigten, wie nah eine KI-Idee an den Alltag heranrücken muss, bevor sich ihr Nutzen beurteilen lässt, auch direkt in der Paderborner Produktion.

Bei einer exklusiven Führung durch die Produktion präsentierte Timo Vondereck, Director Supply Chain Technology bei Diebold Nixdorf, mit seinen Kolleg:innen neue KI-Lösungen des Unternehmens.

Kurze Wege helfen beim Widerspruch

Paderborn ist dafür ein besonderer Ort im Unternehmen. Diebold Nixdorf fertigt dort Produkte für Banking und Retail, entwickelt sie aber auch am Standort.

„Eine große Stärke am Standort Paderborn ist, dass wir nicht nur fertigen, sondern unsere Produkte selbst entwickeln und zentrale Technologien im Haus beherrschen. Wenn Know-how aus Entwicklung und Produktion zusammenkommen muss, sind die Wege hier kurz“, sagt Adrian Heidenreich, Werksleiter bei Diebold Nixdorf.

Für die Teilnehmenden der Veranstsaltung war vor allem der Weg des Unternehmens interessant. Diebold Nixdorf zeigt, wie man mit KI starten kann, ohne sich in zu vielen Ideen zu verlieren: erst das Problem klären, dann die Daten prüfen, die richtigen Fachbereiche einbinden und früh testen, ob eine Lösung im Alltag wirklich hilft. So wird aus KI kein zusätzliches Projekt neben der Arbeit, sondern ein Werkzeug, das Prozesse besser machen kann.

Das ist ‚it’s OWL trifft‘

Bei ‚it’s OWL trifft‘ öffnen Unternehmen ihre Türen: In Vorträgen und Führungen durch Produktion, Entwicklung oder Showrooms geben sie einen Einblick in aktuelle Entwicklungen und Trends. Bei einem abschließenden Imbiss gibt es Raum für Gespräche und Austausch. ‚it’s OWL trifft‘ richtet sich vor allem an Geschäftsleitungen und Entwickler:innen aus Unternehmen, Hochschulen, Forschungsinstituten, Netzwerken und wirtschaftsnahen Organisationen.

Genau dafür schafft it’s OWL mit der Reihe „it’s OWL trifft…“ solche Einblicke in die Praxis. Bei „it’s OWL trifft Diebold Nixdorf“ konnten die Teilnehmenden sehen, wie ein Unternehmen KI nicht nur diskutiert, sondern Schritt für Schritt in Richtung Anwendung bringt. Der Besuch macht deutlich: Der erste sinnvolle Schritt ist nicht die große KI-Lösung, sondern die ehrliche Frage, welche Idee im eigenen Unternehmen wirklich Nutzen bringt.

Impressionen zur Veranstaltung

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