NRW-Wirtschaftsministerin Neubaur besucht it’s OWL auf der Hannover Messe

Wie kann Künstliche Intelligenz Ingenieur:innen die Arbeit erleichtern? Und wie können Unternehmen Produkte so entwickeln, dass sie später leichter repariert, wiederverwendet oder recycelt werden können? Antworten darauf hat das Technologie-Netzwerk it’s OWL auf der Hannover Messe 2026 gegeben. Am NRW-Gemeinschaftsstand informierte sich auch NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur über Anwendungen aus Ostwestfalen-Lippe, die Entwicklungsprozesse schneller, übersichtlicher und nachhaltiger machen sollen.

Gemeinsam mit dem Leistungszentrum Engineering Automation zeigte it’s OWL vom 20. bis 24. April in Halle 13 mehrere Demonstratoren und Live-Demos. Im Mittelpunkt standen Probleme, die viele Industrieunternehmen kennen: Anforderungen sind unklar formuliert, Wissen liegt in verschiedenen Dokumenten, Varianten müssen verglichen werden, und Nachhaltigkeit spielt in der Produktentwicklung oft erst spät eine Rolle.

„Die Hannover Messe war eine wichtige Plattform, um zu zeigen, welche Lösungen aus Ostwestfalen-Lippe in der Industrie entstehen. Gleichzeitig konnten wir die Region als Hightech-Standort mit starken Kompetenzen in Wirtschaft und Wissenschaft sichtbarer machen. Besonders gefreut hat uns das große Interesse von Fachleuten aus Unternehmen, Wissenschaft und der Politik wie der Besuch von Ministerin Mona Neubauer oder von Landtagsabgeordneten zeigt“, sagt Wolfgang Marquardt, Geschäftsführer der OstWestfalenLippe GmbH und Mitglied der Geschäftsleitung von it’s OWL.

NRW-Ministerin Mona Neubaur Gespräch mit der it’s OWL Geschäftsleitung (von rechts) Günter Korder und Wolfgang Marquardt sowie Wolfgang Landmesser von WDR 5.

 

Vom Messestand ins Netzwerk: OWL zeigt industrielle Breite

Der Besuch in Hannover beschränkte sich nicht auf den it’s OWL Stand. Eine Delegation des it’s OWL Clusterboards aus Wirtschaft und Wissenschaf informierte sich auch bei Mitgliedsunternehmen und Partnern aus dem Netzwerk. Stationen waren unter anderem Festo, Beckhoff Automation, Phoenix Contact, HARTING und der Software Innovation Campus Paderborn am NRW-Gemeinschaftsstand.

Die Themen machten deutlich, wie breit das industrielle Know-how im Netzwerk aufgestellt ist. Bei Festo ging es um durchgängige Automatisierung, also um offene Systeme, digitale Zwillinge und Datenflüsse, die Maschinen und Anlagen besser miteinander verbinden. Beckhoff Automation zeigte, wie Künstliche Intelligenz und klassische Maschinensteuerung enger zusammenwachsen. Phoenix Contact stellte Lösungen für eine vernetzte und widerstandsfähige Industrie vor, etwa für zuverlässige Energieversorgung, sichere Automatisierung und effizienteren Schaltschrankbau. Bei HARTING stand die Frage im Mittelpunkt, welche Rolle Verbindungstechnik, Energieinfrastruktur und digitale Werkzeuge für zukunftsfähige industrielle Systeme spielen.

Auch der Software Innovation Campus Paderborn zeigte, wie KI und datenbasierte Ansätze helfen können, Energie- und Industrieprozesse intelligenter, effizienter und nachhaltiger zu gestalten. Damit wurde der Rundgang zu mehr als einer Abfolge einzelner Messestände. Er zeigte, wie viele Unternehmen und Forschungseinrichtungen aus dem it’s OWL Umfeld an ähnlichen Fragen arbeiten: Wie wird Industrie produktiver, widerstandsfähiger und nachhaltiger?

Ein Cobot macht KI im Engineering sichtbar

Am it’s OWL Stand wurde der Ansatz besonders anschaulich an einem Cobot. Das ist ein Roboter, der so ausgelegt ist, dass er sicher mit Menschen zusammenarbeiten kann. Auf der Messe zeigte er sogenannte Pick-and-Place-Aufgaben, also das Greifen und Ablegen von Bauteilen.

Dabei ging es nicht um einen Roboter, der selbstständig alles entscheidet. Die KI sollte vielmehr zeigen, wie sie bei der Einrichtung helfen kann. Wenn eine Nutzerin oder ein Nutzer Anweisungen in natürlicher Sprache gibt, kombiniert das System diese Angaben mit Informationen aus dem Arbeitsbereich des Roboters. So lassen sich einzelne Konfigurationsschritte schneller vorbereiten.

Die Entscheidung bleibt beim Menschen. Die KI unterstützt, führt durch notwendige Schritte und bereitet Abläufe vor. Aus Sicht von it’s OWL zeigt das Beispiel, worum es bei Engineering Automation geht: weniger Aufwand bei der Einrichtung, schnellere Inbetriebnahme und klarere Übergaben zwischen Entwicklung und Betrieb.

Im Gespräch (von links): Norbert Gemmeke (Harting), Dr. Arno Kühn (it’s OWL, Fraunhofer IEM), Frank Maier (ehemals Lenze), Günter Korder (it’s OWL) und Anna Katharina Bölling (Regierungsbezirk Detmold).

Wenn KI Ordnung in technische Anforderungen bringt

Neben dem Roboter präsentierte it’s OWL mehrere digitale Anwendungen. Eine davon unterstützt beim Umgang mit technischen Anforderungen. Solche Anforderungen beschreiben, was ein Produkt oder System später leisten muss. In der Praxis sind sie oft lang, komplex oder nicht eindeutig genug formuliert.

Eine KI kann helfen, solche Anforderungen zu strukturieren, Unklarheiten sichtbar zu machen und Abstimmungen im Team zu erleichtern. Eine weitere Anwendung zeigte, wie verschiedene technische Lösungswege automatisch abgeleitet und verglichen werden können. Vereinfacht gesagt: Die Software hilft Entwicklungsteams dabei, schneller zu prüfen, welche Variante für ein Produkt oder eine Anlage am besten passt.

Außerdem stellte it’s OWL ein digitales Wissensnetz vor. Es verbindet Informationen aus Anforderungen, Modellen, Dokumenten und Entscheidungen. Ziel ist, dass Entwicklungsteams schneller verstehen, welcher Stand aktuell ist und warum bestimmte Entscheidungen getroffen wurden. Gerade in großen Entwicklungsprojekten kann das viel Sucharbeit ersparen.

Nachhaltigkeit soll früher auf den Konstruktionstisch

Ein zweiter Schwerpunkt am Stand war die Frage, wie Produkte nachhaltiger entwickelt werden können. Hier setzte it’s OWL das Projekt GoProZero in Szene. Es unterstützt Unternehmen dabei, Produkte so zu entwickeln, dass Materialien sparsamer genutzt, Bauteile länger verwendet und Kreisläufe besser geschlossen werden können.

Warum das wichtig ist, zeigen viele aktuelle Herausforderungen der Industrie: Regulierungen werden strenger, Rohstoffe knapper, und Kunden achten stärker auf Nachhaltigkeit. Für Unternehmen reicht es deshalb immer seltener, ein Produkt erst am Ende auf seine Umweltwirkung zu prüfen. Nachhaltigkeit muss früher in die Entwicklung einfließen.

Anschaulich wurde das an einem prototypischen Scheinwerfer aus dem Forschungsumfeld. Er ist reparierbar und so aufgebaut, dass Materialien besser recycelt werden können. Ergänzt wurde das Exponat durch einen digitalen „grünen Zwilling“. Damit ist ein digitales Modell gemeint, das Entwicklungsdaten mit Informationen zur Umweltwirkung verbindet.

So können Unternehmen schon während der Entwicklung vergleichen, welche Variante ressourcenschonender ist. Für it’s OWL liegt genau darin ein zentraler Nutzen: KI und digitale Werkzeuge sollen nicht nur Prozesse beschleunigen, sondern auch bessere Entscheidungen ermöglichen.

Warum Hannover für OWL mehr ist als eine reine Messebühne

Der Besuch von Wirtschaftsministerin Mona Neubaur und der Rundgang durch das Netzwerk zeigten, dass die Themen aus Ostwestfalen-Lippe auch auf Landesebene Aufmerksamkeit bekommen. Für it’s OWL ist die Hannover Messe deshalb mehr als eine Bühne für technische Demonstratoren. Sie ist auch ein Ort, an dem die Region zeigen kann, welche Rolle sie bei KI, Industrie und nachhaltiger Produktentwicklung spielen will.

Impressionen von der Hannover Messe 2026

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