
Ökobilanzen für komplexe Produkte: WAGO testet skalierbaren Ansatz aus dem it’s OWL Netzwerk
Eine Umweltbilanz für ein einzelnes Produkt zu erstellen, ist aufwendig. Für Unternehmen mit einem breiten und variantenreichen Portfolio stellt sich deshalb die Frage: Wie lassen sich Umweltwirkungen systematisch bewerten, ohne für jedes Produkt eine neue Einzelstudie aufzusetzen? Im it’s OWL Projekt „Sustainable Lifecycle Engineering“ entwickelt WAGO, führender Hersteller für Automatisierungskomponenten und -systeme, dafür einen skalierbaren Ansatz. Ein Prototyp hat seine Praxistauglichkeit bereits am Compact Controller 100 bewiesen.
Regulatorische Anforderungen, steigende Erwartungen von Kund:innen und eigene Nachhaltigkeitsziele erhöhen den Bedarf an belastbaren Aussagen über den gesamten Lebenszyklus eines Produkts. In der Praxis entstehen solche Bewertungen bislang jedoch häufig projektbezogen, manuell und mit hohem Aufwand. Für WAGO ist dieser Weg angesichts des breiten Produktportfolios langfristig nicht skalierbar.
Eine Umweltbilanz allein verändert noch keine Entscheidung
Das Unternehmen aus Minden will Umweltinformationen dort verfügbar machen, wo sie tatsächlich gebraucht werden: in der Entwicklung, im Produktmanagement und im Vertrieb. Entscheidend ist nicht nur, Daten zu erheben. Sie müssen frühzeitig, konsistent und in angemessener Qualität vorliegen, damit sie Entscheidungen unterstützen können.
„Nachhaltigkeit darf kein isoliertes Expert:innenthema sein. Unser Anspruch ist es, Umweltinformationen so aufzubereiten, dass sie in den Bereichen Entwicklung, Produktmanagement und Vertrieb tatsächlich genutzt werden können“, sagt Alexander Flekler, LCA-Experte bei WAGO.
Im it’s OWL Projekt SLE hat WAGO zentrale Anforderungen an eine skalierbare und markttaugliche Nachhaltigkeitsbewertung ermittelt. Daraus entstand ein übergreifendes Zielbild für den künftigen Umgang mit Umweltinformationen im Unternehmen.
Praxistest an einem anspruchsvollen Produkt
Den erarbeiteten Ansatz testete WAGO bei einem anspruchsvollen Produkt, dem Compact Controller 100. Der Controller ist funktional und strukturell komplex und damit herausfordernder als andere Produkte für eine automatisierte Umweltbewertung.
Mit dem im Projekt entwickelten Prototyp konnte WAGO das Produkt effizient bilanzieren. Somit ist für das Unternehmen klar, auch komplexe Automatisierungsprodukte lassen sich reproduzierbar, nachvollziehbar und skalierbar bewerten. Damit bietet der im Projekt entwickelte Ansatz eine belastbare Alternative zu großen, starr aufgebauten Standardlösungen.
Aus Einzelstudien wird ein verlässlicher Prozess
Gemeinsam mit den Projektpartnern analysierte WAGO bestehende Entwicklungs- und Entscheidungsprozesse und verband sie mit etablierten Methoden der Lebenszyklusanalyse, kurz LCA. Ziel war es einen praxistauglichen Ansatz zu entwickeln, der methodische Qualität mit industrieller Umsetzbarkeit verband.
Statt Umweltwirkungen in voneinander getrennten Einzelstudien zu untersuchen, schaffte das Projekt einen strukturierten Ablauf. Dieser soll vergleichbare Umweltkennzahlen über klar definierte Systemgrenzen hinweg ermöglichen und sich in bestehende Produkt- und IT-Strukturen integrieren lassen.
Offene Bausteine statt starrer Komplettlösung
Denn viele Softwarelösungen für Nachhaltigkeitsbewertungen wecken zwar hohe Erwartungen, stoßen in der industriellen Praxis jedoch an Grenzen. Gründe sind unter anderem die Komplexität der Anwendungen, fehlende Daten oder mangelnde Skalierbarkeit.
WAGO geht deshalb einen anderen Weg und setzt auf modulare Open-Source-Komponenten entlang der gesamten Toolchain. Die einzelnen Bausteine lassen sich erweitern und an unterschiedliche Anforderungen anpassen. Transparente Modelle und fundierte fachliche Expertise sollen zugleich dafür sorgen, dass die Ergebnisse nachvollziehbar und methodisch belastbar bleiben.
Von der Konzeptphase bis zum End of Life
Langfristig will WAGO Nachhaltigkeit als festen Bestandteil eines durchgängigen Produktlebenszyklusmanagements etablieren: von der frühen Konzeptphase über die Nutzung bis zum End-of-Life. Umweltinformationen sollen damit nicht nachträglich ergänzt werden, sondern von Anfang an in Entscheidungen einfließen.
Das it’s OWL Projekt „Sustainable Lifecycle Engineering“ hat dafür einen zentralen methodischen und organisatorischen Baustein entwickelt.
Alle Ergebnisse auf der it’s OWL Innovationsplattform
Mehr zu dem Vorgehen von WAGO und den Ergebnissen der anderen Projektpartner finden Sie im kostenlos herunterladbaren Abschlussbericht des it’s OWL Projekts auf der it’s OWL Innovationsplattform.
Das it’s OWL Projekt Sustainable Lifecycle Engineering
Das Forschungsprojekt Sustainable Lifecycle Engineering (SLE) wurde im Rahmen des Spitzenclusters it’s OWL mit Förderung durch das Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen durchgeführt. Ziel des Projekts war es, Entwicklungsteams und Produktmanagement dabei zu unterstützen, Nachhaltigkeitsaspekte bereits in frühen Phasen der Produktentwicklung systematisch in ihre Entscheidungen einzubeziehen.
Beteiligt waren die Industriepartner Diebold Nixdorf, HARTING, Miele, WAGO und Siemens Industry Software sowie das Fraunhofer IEM, das Heinz Nixdorf Institut der Universität Paderborn und das Wuppertal Institut.